INTERNATIONAL NETWORK „EXILES IN ARTS“

Das International Network – INE ist eine Kooperation bestehend aus Institutionen und Organisationen, welche sich mit der Musik und anderen künstlerischen Werken von Personen beschäftigen, die von den Nationalsozialisten verfemt, vertrieben oder ermordet worden sind. Im April 2006 wurde bei der Veranstaltung “Face the Music“ an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien ein Leitbild erarbeitet („Europäische Plattform“).



EUROPÄISCHE PLATTFORM FÜR VOM NATIONALSOZIALISMUS VERFOLGTE MUSIK

Konferenz „Face the Music” Wien, 5. Mai 2006, Resolution de|en PDF >

Leitbild

Die Erforschung und Dokumentation der vom Nationalsozialismus verfolgten Musikschaffenden und ihrer aus dem Musikleben verdrängten Musik geschieht heute durch institutionell gebundene Forschung, aber auch durch zahlreiche private Initiativen und einzelne Forscher in allen betroffenen Ländern Europas, in Israel, in den USA und Australien. Die Vielzahl der Aktivitäten täuscht allerdings darüber hinweg, dass erst ein kleiner Teil der zu leistenden Arbeit getan ist, und dass sich die Rahmenbedingungen für diese Arbeit keinesfalls verbessern. Der im Zuge von Digitalisierungsprozessen erleichterte Zugang zu Archivbeständen und lebensgeschichtlichen Informationen aus aller Welt, aber auch der nach dem Zusammenbruch der kommunistischen Regimen möglich gewordene Zugang zu Archiven in den Ländern Mittel- und Osteuropas etwa werden durch Kürzungen im Bereich der staatlich subventionierten Forschung konterkariert. Wichtige Grundlagenarbeit, wie die Erforschung biographischer Daten, die Erschließung von kompositorischen Nachlässen, die Registrierung von Komponisten und ihren Werken bei den Verwertungsgesellschaften und die Vermittlung an Rezipienten können aufgrund fehlender Daten, unklarer Rechtsverhältnisse oder fehlender rechtlicher Voraussetzungen nicht durchgeführt werden. Der in den nächsten Jahren bevorstehende oder bereits geschehene Ablauf von Schutzfristen zahlreicher Autoren, die Opfer des Nationalsozialismus wurden, wird das notwendige Engagement von Verlagen und Rechtsnachfolgern – wo diese überhaupt vorhanden sind – zum Erliegen bringen. Seit Jahren aktive Organisationen sind durch den Rückzug der öffentlichen Förderung akut in ihrer Existenz bedroht, europäische Fördermittel können durch bürokratische Hürden oder fehlende strukturelle Voraussetzungen nicht in Anspruch genommen werden.
Vor diesem Hintergrund entstand die Idee der Schaffung einer europäischen Plattform für vom Nationalsozialismus verfolgte Musik, mit dem Ziel der Vernetzung bereits vorhandener Strukturen und Organisationen auf europäischer Ebene.



Zielsetzung
  1. Das Schicksal und das Schaffen der vom Nationalsozialismus verfolgten und ermordeten Musiker in Erinnerung zu halten und nachhaltig ins öffentliche Bewusstsein zu rücken als lebendiges Mahnmal gegen Intoleranz und Gewalt und für Respekt und Menschlichkeit.
  2. Lobbying zu betreiben, d.h. als gemeinsames Sprachrohr der im Dienste der vom Nationalsozialismus verfolgten Musik tätigen Personen und Institutionen auf den Gesetzgeber einzuwirken, um die kontinuierliche Förderung der wissenschaftlichen wie künstlerischen Aufarbeitung und Pflege sowie die pädagogischen Vermittlung dieses gemeinsamen europäischen Kulturerbes (Dokumentation, Forschung, Ausgaben, Ausstellungen, Konzerte, Aufnahmen, mediale Vermittlung usw.) zu gewährleisten und sich für deren Bewahrung einzusetzen.
  3. in Zusammenarbeit mit Urheberrechtsexperten auf den Gesetzgeber einzu- wirken um eine Verlängerung der Schutzfristen für verfolgte und ermordete Komponisten zu erwirken – in Anlehnung an die bisher auf europäischer Ebene nicht harmonisierte 2x5-Jahresregelung in Frankreich.
  4. den Austausch zu fördern mit Konzertveranstaltern, Rundfunkanstalten und Labels im Dienste der Integration der verdrängten Musik in den allgemeinen Konzertbetrieb, auch um deren latenter 'Ghettoisierung' entgegenzuwirken.
  5. Strukturen für die Koordination von Projekten auf europäischer Ebene zu schaffen mit dem Ziel, EU-Fördermittel zu erschließen.



 



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Abbildung am Kopf dieser Seite © Parlamentsdirektion/Bildagentur Zolles/Robert Zolles 2010
Gedenktag gegen Gewalt und Rassismus im historischen Sitzungssaal, Ensemble Atout, 2010 >