ERÖFFNUNGSAUSSTELLUNG DES NEUEN exil.arte ZENTRUM der mdw
Universität für Musik und darstellende Kunst Wien
Lothringerstraße 18 / A0116 1030 Wien


Öffnungszeiten 2017

Bis 30. Juni 2017:
Dienstag bis Samstag 14:30–19:30 Uhr

Juli - September 2017:
Dienstag bis Freitag 13:00–16:00 Uhr

Oktober - Dezember 2017:
Dienstag bis Samstag, 14:30-19:30 Uhr

An Feiertagen geschlossen!

Führungen
(auch für Schüler-/Schülerinnen-Gruppen)
auf Anfrage: info@exilarte.at

Eintritt frei!


„Wenn ich komponiere, bin ich wieder in Wien”


Das exil.arte Zentrum der mdw befindet sich genau an jener Stelle, wo ab 1913/14 hervorragende KünstlerInnen sowohl als Lehrende sowie Studierende tätig waren. Viele von ihnen mussten 1933 bzw. 1938 Europa verlassen und flohen vor dem Terror der Nationalsozialisten. Einige von ihnen konnten ihre Karriere fortsetzen, andere hatten die Grundlage ihres Schaffens verloren. Andere wiederum hatten keine Chance aufgrund der historischen und menschlichen Katastrophe ein Studium an der mdw zu beginnen. Den unterschiedlichen Lebensschicksalen ist diese erste Ausstellung des exil.arte Zentrum der mdw gewidmet.

  • Er war der erste jüdische Sängerknabe, studierte an der mdw, war Farmer in Neuseeland und wurde zu einem der besten Bruckner-Dirigenten, mit einem Provinzorchester, welches bis heute kaum bekannt ist – Georg Tintner
  • Er studierte an der mdw, konnte Dachau und Buchenwald entkommen, übernahm das Manila Symphonieorchester und das Brooklyn Symphonieorchester, unterhielt pädagogische Konzepte in Südostasien bis zu seinem Tod, war Leiter von Projekten an der UCLA – Herbert Zipper
  • Sie studierte an der mdw, trat gemeinsam mit ihrem Vater auf, dem Primgeiger eines der besten Quartette und Konzertmeister der Philharmoniker, nach der Entlassung des Vaters flüchtete sie mit ihm nach England, aus Geldmangel musste sie auf den Kontinent zurück, wo sie verhaftet und nach Auschwitz deportiert wurde, wo sie das „Mädchenorchester“ leitete – Alma Rosé
  • Er wurde als Jude vom Gymnasium ausgeschlossen, musste nach einem Jahr fliehen und konnte daher nicht an der mdw studieren, er wurde Musikkritiker der LA Times, gründete und leitete ein Musikdepartment in LA, seine Kompositionen sind erst seit 8 Jahren bekannt, 6 CD wurden bislang aufgenommen, lebt als aufstrebender Komponist mit fast 97 Jahren in LA – Walter Arlen
  • Er musste Wien und seine Jugendliebe verlassen, um sich vor den Nazis zu retten, konnte nie eine Ausbildung an der mdw oder andernorts absolvieren, traf seine Jugendliebe nach mehr als einem halben Jahrhundert wieder, welche ihn zum Komponieren animierte – Robert Fürstenthal
  • Er war ein Wunderkind, war als Opernkomponist in ganz Europa ein Begriff, lehrte an der mdw, musste die Kriegszeit als Filmkomponist unfreiwillig in Hollywood ausharren, nach dem Krieg hatte man für seine opulente Musik keine Verwendung mehr, man meinte sogar, dass seine Musik wie Filmmusik klinge, aber in Wirklichkeit war es genau umgekehrt – Erich Wolfgang Korngold
Nur einige von über 50 Schicksalen, die bei der Ausstellung „Wenn ich komponiere, bin ich wieder in Wien“ angesprochen werden ...

Ausstellungsrundgang

Panoramafotos vom Aufbau der Eröffnungsausstellung

Ausstellungseröffnung


Das Emmy und Egon Wellesz-Klavier


Emmy Wellesz, geb. Stross
(1889 Wien – 1987 Wien)
Kunsthistorikerin (Spezialgebiet:
Byzantinistik), Promotion 1921

Egon Wellesz
(1885 Wien – 1974 Oxford)
Komponist und Musikwissenschaftler
(Spezialgebiete: Alte Musik, Neue Musik,
Byzantinische Neumen), Promotion 1908


Bösendorfer-Flügel
(225 cm) „Mahagoni Mod. 4“
Baujahr November 1908/Februar 1909
Verkaufsnummer 18913 (Arbeitsnummer 10081)

Als „Hochzeitsgeschenk” von Emmys Vater gekauft,
Kommerzialrat Ludwig Stross, Ebendorferstraße 8, 1010 Wien


  • Standort bis 1938: Kaasgraben-Künstlerkolonie (1190 Wien, Kaasgraben 36-38, erbaut von Josef Hoffmann)
  • Juli 1938: Emigration nach Oxford gemeinsam mit den Töchtern Magda (1909-2006) und Elisabeth (1912-1995), Egon Wellesz erhält eine Professur in Oxford
  • Verkauf an Les Thompson, Musiklehrer und Schüler Wellesz’: Das Verhältnis zu Les Thompson war sehr eng - Emmy erzählte seiner Frau Marjorie, dass sie in Les ihren Sohn sahen, den sie nie hatten. Nach seinem Gehirnschlag wollte Egon Wellesz nur mehr Kontakt mit Emmy und Les. Immerhin sangen Egon und Les noch gemeinsam Opern (Egon Wellesz konnte zwar nicht mehr sprechen, aber noch immer singen)
  • Der Flügel wurde von dessen Tochter Rachel Thompson zur Auktion (7. April 2016, Piano Auctions Ltd.) nach London gebracht
  • Auf einen Hinweis von Tanya Tintner ersucht Gerold Gruber Rachel Thompson das Klavier aus der Auktion zu nehmen und der mdw zu verkaufen – Rachel Thompson entnimmt es schließlich der Auktion
  • März 2016: Kauf des Flügels durch das exil.arte Zentrum der mdw
  • Juni 2016: Rücktransport durch G&R Removals nach Wien
  • Februar 2017: Restauration durch Gert Hecher
  • Mai 2017: erstmalige Präsentation des Wellesz-Klaviers im Rahmen der Ausstellung “Wenn ich komponiere, bin ich wieder in Wien” des exil.arte Zentrum der mdw


www.mdw.ac.at/exil.arte





 









exil.arte Impressum & Kontakt
Abbildungen am Kopf dieser Seite:
Broschüre 10 Jahre exil.arte (PDF) >
sowie Fassade Lothringerstraße 18, Panoramafotos, Ausstellungsaufbau und Fotos Ausstellung & Egon Wellesz Bösendorfer © Iby-Jolande Varga
Dreharbeiten Erich Zeisl Hiob Uraufführung 2010 © G. Vlaschits, J. Vaughan 2010 >